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Nytt om runer
Das Vierte Internationale Symposium über Runen und
Runeninschriften in Göttingen, Bundesrepublik Deutschland, 4.-9. August
1995
Das Vierte Internationale Symposium über Runen und
Runeninschriften fand in Göttingen (Bundesrepublik Deutschland) vom 4.-9.
August 1995 statt. Fast 100 Personen aus 13 verschiedenen Ländern
versammelten sich an sechs heißen Augusttagen, um 37 Vorträge zu
hören und zu diskutieren. Diese wurden als vollständige Manuskripte
oder in Form von Zusammenfassungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern vorher
zugeschickt.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer umfaßten neben einer Vielzahl
von runologisch arbeitenden Philologinnen und Philologen Fachvertreter
benachbarter Disziplinen (Archäologie, Kunstgeschichte, Numismatik und
Religionswissenschaften). Die Verteilung auf die beiden Geschlechter ergab sich
gleichmäßig; schon immer haben in der Runologie Frauen eine
führende Rolle, vor allem in Skandinavien, gespielt. Verschiedene
Altersklassen und "Ränge" waren vertreten: Neben den Hochschullehrerinnen
und -lehrern, Studierenden, Mitarbeitern von Akademien, Denkmalämtern und
anderen Institutionen nahmen auch interessierte Laien am Symposium teil.
Um eine Vortragszeit von ca. 20-30 Minuten und eine mindestens ebenso
lange Diskussionszeit zu gewährleisten, wurden Sektionen gebildet, die um
eine halbe Stunde zeitversetzt begannen. Auf diese Weise konnten die
Teilnehmenden selbst entscheiden, ob sie mehrere Vorträge nacheinander
hören oder eine sich anschließende Diskussion verfolgen und
mitgestalten wollten.
Anders als bei den bisherigen Symposien stand das Göttinger Treffen
unter einem Rahmenthema: "Die Runeninschriften als Quellen für
Nachbarfächer". Zahlreiche Fachvertreterinnen und Fachvertreter stellten
diese Problematik in den Mittelpunkt ihrer Vorträge, so daß der
Quellenwert der Runeninschriften für folgende Bereiche umrissen und
diskutiert werden konnte: Sprachgeschichte, Literatur- und Versgeschichte,
Namenkunde, allgemeine Geschichte, Rechts- und Religionsgeschichte, Bekehrungs-
und Frömmigkeitsgeschichte und andere. Vorträge und Diskussionen
zeigten, daß mit den mehr als 6000 bekannten Runeninschriften eine reiche
originale Quellenbasis vorliegt, die von den Nachbarfächern oft noch nicht
in angemessener Weise berücksichtigt und genutzt worden ist. Weitere
Themenbereiche waren: Beziehungen zwischen der runenschriftlichen
Überlieferung und der lateinischen Schriftkultur, und zwar von der
provinzialrömischen Zeit bis ins späte Mittelalter hinein. Nach einer
langen Zeit einer gewissen Isolation in der Runologie ist damit eine Verbindung
über die Fächergrenzen hinaus in Gang gekommen. Ferner stand die
Zusammenarbeit von Archäologie und Runologie in einer Reihe von
Vorträgen im Vordergrund. Vor allem Datierungsfragen und -probleme wurden
dabei behandelt, aber auch Fragen der sozialen Gliederung wurden angesprochen.
Eine eigene Sektion war den Brakteaten vorbehalten, die in den letzten Jahren
besonders stark in den Mittelpunkt interdisziplinärer Forschung
gerückt sind. Schließlich ging es auch um Neufunde, die in letzter
Zeit in erstaunlichem Maße zu Tage getreten sind und die vorzustellen
waren. Die Deutungsproblematik - ob kultisch, magisch oder profan - wurde
ebenfalls an ausgewählten Beispielen diskutiert. Hier wie auch an einem
einleitenden methodologischen Vortrag zeigte sich, wie sehr eine gesicherte
methodische Grundlage runologischer Forschung notwendig ist.
In einführenden Worten wurde auch des Mißbrauchs von Runen
durch die Nationalsozialisten gedacht, der zu einer Isolation der deutschen
Runologen vor allem in der Nachkriegszeit geführt hat. Ohne diese
belastende Vergangenheit vergessen zu wollen, soll das Göttinger Symposium
Zeichen dafür sein, daß die Isolation vorüber ist und die
erhoffte und schon seit geraumer Zeit praktizierte Kooperation sich
endgültig durchgesetzt hat.
Im einzelnen wurden folgende Vorträge gehalten und diskutiert.
Methodik (Plenum) Kurt Braunmüller: "Methodische
Probleme in der Runologie"
Chronologie - Soziale Stellung Heiko Steuer:
"Datierungsprobleme in der Archäologie" Elmer H. Antonsen: "On
Runological and Linguistic Evidence for Dating Runic Inscriptions" John
Hines: "Grave Finds with Runic Inscriptions from Great Britain" Marie
Stoklund: "Neue Runenfunde aus Skandinavien"
Brakteaten Morten Axboe: "Zur Chronologie der
Goldbrakteaten" Nancy L. Wicker: "Production Areas and Workshops for the
Manufacture of Bracteates" Elmar Seebold: "Linguistische und
ikonographische Deutungsprobleme der Inschriftenbrakteaten"
Ältere Inschriften - Runen und EDV Robert Nedoma: "Zur
Deutungsproblematik der älteren Runeninschriften: profan, kultisch,
magisch?" Lena Peterson: "A Critical Survey of the Alleged East Germanic
Runic Inscriptions in Scandinavia" Anne Haavaldsen: "Computerizing the
Runic Inscriptions at Bergen Museum" Roland Schuhmann:
"Demonstrationsvortrag zum Thema: 'Eine runologische Bild-/Textdatenbank'"
Sprachgeschichte Hans Frede Nielsen: "The Linguistic Status
of the Early Runic Inscriptions of Scandinavia" Ottar Grønvik:
"Runeninschriften als Quelle für die ältere Sprachgeschichte"
Lennart Elmevik: "Runeninnschriften als Quelle der Sprachgeschichte zur
Wikingerzeit"
Lateinische und runische Inschriften Christoph B. Rüger:
"Lateinische Schriftlichkeit im römischen Grenzgebiet gegen die
Germanen" James E. Knirk: "Runes and Latin in Norwegian Inscriptions"
Karin Fjellhammer Seim: "Runes and Latin Script: Runic Syllables"
Namenkunde Henrik Williams: "Runic Inscriptions as Sources of
Personal Names" John Kousgård Sørensen: "Runeninschriften als
Quelle der Ortsnamenforschung" Mats G. Larsson: "Runic Inscriptions as a
Source for the History of Settlement"
Religions- und Frömmigkeitsgeschichte Anders
Hultgård: "Runeninschriften und Runendenkmäler als Quellen der
Religionsgeschichte" Otto Gschwantler: "Runeninschriften als Quelle der
Frömmigkeitsgeschichte" Elena Melnikova: "Scandinavian Runic
Inscriptions and the Varangians in Rus"
Literatur- und Versgeschichte Hans-Peter Naumann:
"Runeninschriften als Quelle der Versgeschichte" Edith Marold:
"Runeninschriften als Quelle der Geschichte der Skaldendichtung" Hermann
Reichert: "Runeninschriften als Quelle der Heldensagenforschung" Ralph W.
V. Elliott: "Runes in English Literature: From Cynewulf to Tolkien"
Allgemeine Geschichte Henrik Thrane: "Runic Inscriptions as
Archaeological Sources for the Scandinavian Iron Age" Jan Ragnar Hagland:
"Runes as Sources for the Middle Ages" Katherine Holman: "Scandinavian
Runic Inscriptions as a Source for the History of the British Isles"
Schrift und Schriftlichkeit Börje Westlund: "Runic
Inscriptions as Sources for the History of Writing" Michael P. Barnes: "The
Transitional Inscriptions" Judith Jesch: "Still Standing in Ågersta:
Literacy and Textuality in Late Viking Age Rune Stone Inscriptions"
Runica manuscripta Wilhelm Heizmann: "Runica manuscripta: Die
isländische Überlieferung" David Parsons: "Manuscript Runes: The
English Tradition" Tineke Looijenga: "The Nine Nouþær from the
Ribe Spell"
Das Symposium wurde vor allem durch zwei Ereignisse mitbestimmt: 1. Eine
Exkursion in den südniedersächsischen Raum (Hannoversch-Münden,
Karlshafen, Weserfahrt, Klosterkirchen von Bursfelde und Lippoldsberg,
Schloß Nienover) und 2. eine Ausstellung von lateinischen und runischen
Inschriften unter dem Thema "Schmuck und Waffen mit Inschriften aus dem ersten
Jahrtausend". Da hierzulande keine Exkursion zu Runeninschriften stattfinden
konnte, mußten die Inschriften in Göttingen zusammengebracht werden.
Fast 60 Objekte aus deutschen Museen und Denkmalämtern wurden ausgestellt
zusammen mit einigen Werken zur Frühgeschichte der Runologie aus den
Beständen der Niedersächsischen Staats- und
Universitätsbibliothek. Ein Katalog zur Ausstellung hat diese Exponate im
einzelnen erläutert.
Finanzielle Unterstützung wurde in großem Umfang von
folgenden Institutionen gewährt: Deutsche Forschungsgemeinschaft,
Ministerium für Wissenschaft und Kunst des Landes Niedersachsen, Sparkasse
Göttingen, Sparkassenstiftung Niedersachsen, Landschaftsverband
Südniedersachsen, zahlreiche Firmen und Geschäfte aus Göttingen
und dem südniedersächsischen Raum.
Die Abhandlungen des Vierten Internationalen Symposium über Runen
und Runeninschriften werden unter dem Titel Runeninschriften als Quellen
interdisziplinärer Forschung in den Ergänzungsbänden zum
Reallexikon der Germanischen Altertumskunde im Jahre 1997 erscheinen. Insgesamt
44 Abhandlungen liegen vor, zumeist sind es die ausgearbeiteten Vorträge,
aber auch die Arbeiten von Fachvertretern, die nicht zum Symposium kommen
konnten, sind jetzt einbezogen. Darüber hinaus wurden auch noch einige
beim Symposium unberücksichtigt gebliebene Aspekte in eigenen
Beiträgen aufgenommen.
Prof. Dr. Klaus Düwel Seminar für deutsche Philologie
der Universität Göttingen
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