Nytt om runer

Das Forschungsprojekt "Runendatei" am Nordischen Institut der Universität Kiel (1994)


[Gedruckt in Nytt om runer 9 (1994), 33-35.]

Seit November 1993 läuft am Nordischen Institut der Universität Kiel das Forschungsprojekt "Runendatei", das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für vier Jahre finanziert wird und die halbe Stelle einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin und einer Hilfskraft umfaßt. Ziel dieses Projektes ist es, alle skandinavischen und kontinentalgermanischen Runeninschriften im älteren Futhark mit ihren Lesungen/Deutungen sowie der dazugehörigen Sekundärliteratur so vollständig wie möglich zu erfassen.

Die Grundlage dazu bilden Wolfgang Krauses und Herbert Jankuhns Abhandlung Die Runeninschriften im älteren Futhark (Göttingen 1966). Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt auf der Auswertung der in den letzten drei Jahrzehnten neu erschienenen wissenschaftlichen Literatur und der Aufnahme von ca. 40 Neufunden sowie der von Krause nicht behandelten Inschriften.

Wir arbeiten mit einer Macintosh-Datenbank und entsprechender FoxPro-Software. Die Projektstruktur setzt sich aus den vier Dateien Fund, Deutungen, Einzelwörter und Sekundärliteratur zusammen (siehe Abbildung.). Die Funddatei selbst enthält die Felder Fundnummer (=Schlüssel), Fundort, Fundlandschaft, Land, transkribierte Inschrift mit Angabe des Inschriftcharakters (rein runisch, Geheimrunen, Mischtext, runischer Charakter fraglich, Alphabetinschrift), Echtheit, Standardausgabe (DR, SRI usw.), Bemerkungen und aktueller Aufbewahrungsort (z.B. Fibel von Udby auf Seeland in Dänemark mit der Inschrift lamo talgida, rein runisch, Echtheit unbezweifelt, wird im Nationalmuseum Kopenhagen aufbewahrt). Die Deutungsdatei umfaßt Datierung, Datierungsart (archäologisch oder sprachwissenschaftlich), Sprachgruppe (ost-, nord- west- oder nordwestgermanische), Sprache, Lesung, Deutung, Übersetzung, Syntax, Wahrscheinlichkeit (der Deutung) und Deutungsvarianten. Unter dem Stichwort Einzelwörter finden sich Angaben zur Morphologie (u.a. Wortklasse, Numerus, Kasus/Person, Genus, Tempus, Subst.-, Adj.-, Pron.- und Verbalflexion), zur Wortbildung (Suffixe, Komposita, Ableitungen usw.) und zu phonologischen Entwicklungen in Haupt- und Nebensilben. Die vierte Datei enthält die Sekundärliteratur (Autor, Titel, Erscheinungsjahr, Abbildung ja/nein). Die Informationen der vier Datenbank-Dateien sind miteinander verknüpfbar (Pfeile in der Darstellung), so daß die Benutzer die Möglichkeit haben, die Daten ihren eigenen Interessen entsprechend zusammenzustellen, so z.B. alle Steininschriften (mit ausgewählten Angaben zu Datierung, Deutung, Autor, Erscheinungsjahr u.ä.), alle Inschriften einer Landschaft (z.B. Rogaland in Norwegen), die gesamte wissenschaftliche Literatur/Lesungen/Deutungen/Übersetzungen zu einer gewünschten Inschrift, Tabellen über Wortbildung (u.a. Nomina agentis, Kompositionstypen oder Personennamen) und vieles mehr.

Diese Angaben sollen mit einer Fotodatei anhand von schwarz-weiß Diapositiven verbunden werden, um den Anwendern jederzeit einen Blick auf die Inschrift selbst zu ermöglichen (daher können wir auf eine graphische Darstellung der Runenzeichen verzichten). Die Fotodatei enthält außerdem Angaben zu einzelnen Runenformen. Im weiteren Verlauf des Projektes wird unsere Hauptaufgabe neben dem Zusammentragen, der Auswertung und der Eingabe des wissenschaftlichen Materials auch in der Ausarbeitung von Sichten bestehen, um den zukünftigen Benutzern unserer Datenbank optimale Kombinationsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen. Die Runendatei wird als CD-ROM veröffentlicht werden und ist sowohl von Macintosh als auch von DOS-Geräten mit entsprechender Speicherkapazität lesbar.

Ergänzend zu unserer Datei wird von Prof. Dr. Alfred Bammesberger und Dr. Gaby Waxenberger an der Universität Eichstätt ein Projekt zu den englischen und friesischen Runeninschriften eingerichtet. Der entsprechende DFG-Antrag läuft zur Zeit.

ABBILDUNG: PROJEKTSTRUKTUR - fehlt noch.

Prof. Dr. Edith Marold; Martina Dietz, M.A.; Christiane Zimmermann, M.A.
Nordisches Institut der Universität Kiel
Leibnitzstr. 8, D-24098


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